Eines vorweg: Gut oder schlecht gibt es im Hinblick auf Yoga und Pilates nicht. Es kommt nur darauf an, was Sie erreichen möchten.
Wohltuend auf Körper und Geist wirken beide Sportarten, aber die Ausführung und Zielsetzung unterscheiden sich erheblich. Beim Yoga wird die körperliche Stärkung stets von entspannenden und meditativen Aspekten begleitet, während beim Pilates das Muskeltraining im Vordergrund steht. Konkret macht sich das bei der Atmung bemerkbar. Yogi atmen durch die Nase tief in den Bauch hinein und wieder aus. Diese Atemtechnik (Pranayama) wird sogar extra geübt und hilft, während anstrengender Yoga-Asanas nicht zu verspannen oder zu verkrampfen. Die Atemzüge geben dabei die Zeit vor, die der Yogi die Posen halten soll, also beispielsweise fünf Atemzüge in der Krieger-Position. Schnelle Abfolgen verschiedener Asanas sollen im Atemfluss erfolgen. Im Meditationssitz oder bei Entspannungsübungen im Liegen, die oft den Abschluss einer Yoga-Sitzung bilden, vertiefen Sie sich mithilfe der Atmung in einen Zustand des mentalen Gleichgewichts – heute auch gerne als Achtsamkeit bezeichnet.
Beim Pilates atmen Sie dagegen durch die Nase ein und durch den Mund aus. Dabei konzentrieren Sie sich auf die Aktivierung der Tiefenmuskulatur in der Körpermitte, das sogenannte Powerhouse. Sie ziehen den Bauchnabel leicht ein, spannen den Beckenboden an und atmen bis in das Zwerchfell ein – der Brustkorb dehnt sich zur Seite aus. Im Rhythmus dieser Atemtechnik werden die Pilates-Übungen ausgeführt. Die Atmung dient hier also der kontrollierten, präzisen Durchführung des Muskeltrainings.
Kurz gesagt: Yoga will eher die Alltagsverspannungen lösen, während Pilates mit einer möglichst kontinuierlichen Grundspannung arbeitet. Die Beweglichkeit, Körperhaltung und das Gleichgewicht schulen beide. Suchen Sie also eher einen Ausgleich zum stressigen Job und möchten mal „runterkommen“, empfiehlt sich Yoga. Wer sich richtig auspowern will, ist dagegen mit Pilates besser beraten.